nachts gehört der garten
nachts gehört der garten
den faltern den schleichenden tieren
den fledermäusen und leuchtkäfern
der ordnung von dunkel und halbdunkel
der unordnung von schauder und magie
den geräuschen von wind
in der birke der brise
die sich aus der wärme löst
dem schlaf der gräser
den schreien aus kehlen
der freischwebenden süße
nachts gehört der garten
der erinnerung die sich aus den sternen löst
du fällst mir
durch die augen
ins herz
ich bin dein licht
sagst du
rettung in der dunkelheit
du bist mein licht und
meine dunkelheit
kraniche
ich hörte die kraniche
ihr flug geht in jedem jahr
über mein dach
mein auge fand nichts im
hellblauen himmel
nur birkenblätter stürzten sich
im schwarm herab
als ich mich abwandte
erschienen sie
erst eine vorhut von zwanzig
später zwischen den
anderen birken eine vielzahl
sie schrien und zogen
an meinem vogelherz
so dass sich meine
flügel aufstellten
ich würde gerne im wechsel
leiten und im windschatten gleiten
auf einer langen reise
fort von mir
Gefördert durch: Corona Sonderfonds Kultur der Stadt Essen
In der Rubrik "Ein Gedicht" bei WDR5 und WDR3, August 2021: "gehrichtung"

valvignères III
auf der ausfallstraße
das dorf im rücken
gehalten von der einseitigen allee
ging ich auf den regennassen
asphaltflecken
langsam, stotternd
und das herz in weh
aus einem guss sein
wie der regen
wollte ich
wie das efeu zärtlich hoch an
der platanenrinde rankt
wie die eidechse eins ist mit
der sonnenwärme
wie der segelfalter
der im flug nicht schwankt
und der regenbogen
der in mehr als allen farben
gebündelt aus den wolken
an die kühle luft gelangt
aus: die trasse und ihre nebenflüsse, 2020